Begegnungszentrum Schnathorst – positive Bilanz nach erstem Jahr

Von Nähkurs bis Rechtsberatung
Von Kathrin Kröger
 

Hüllhorst (WB). Nähmaschinen rattern, Stricknadeln klappern und der Duft von Tee liegt in der Luft. Ein Montagnachmittag im Begegnungszen­trum Schnathorst. Menschen, die eine neue Heimat suchen, und Alteingesessene sitzen an den Tischen. Seit gut einem Jahr nutzt die Flüchtlingshilfe Hüllhorst Räume im Dorfgemeinschaftshaus.

 

So lange wie es das Begegnungszentrum Schnathorst gibt, so lange hat auch die Vorbereitung gedauert. Im Gespräch war unter anderem der Bau eines Holzhauses auf dem Außengelände, doch schließlich erwies sich das Dorfgemeinschaftshaus als Standort als ideal. Hier waren noch Kapazitäten frei und es gab die Infrastruktur mit Küche, Gemeinschaftsraum und Saal für Feiern.

Pfarrer im Ruhestand Frank Buhlmann bietet einen kleinen Rundgang an und genehmigt sich zwischendurch ein Heißgetränk aus dem Samowar. Das hat er schon des Öfteren von den Flüchtlingen selbst kredenzt bekommen. »Ich biete Computerkurse an und wenn ich kam, war der Tee schon fertig.«

 

9500 Euro Startkapital

Mit einem Startkapital in Höhe von 9500 Euro für ein Jahr ging es mit dem Begegnungszentrum los, gefördert vom Bundesprogramm »500 Landinitiativen«. Davon wurden unter anderem diverse Materialien wie Nähmaschinen, Laptops, Samowar oder auch Bierzeltgarnituren angeschafft. »Nun läuft das Ganze über Spenden«, sagt Hüllhorsts hauptamtlicher Integrationsbeauftragter Kahraman Tsikha. Und ergänzt: »Wir haben uns weiterentwickelt ohne großen finanziellen Aufwand. Ganz entscheidend sind natürlich die ehrenamtlichen Kräfte.«

Das Dorfgemeinschaftshaus sei nun immer ausgelastet. Und die Kurse reichen über reine Freizeitbeschäftigungen weit hinaus – je nach Bedarf und Interesse. Sozialträger wie das Hexenhaus in Espelkamp (Verein Hilfe für Menschen in Krisensituationen), Rechtsanwälte oder Arbeitgeber bieten den Flüchtlingen Unterstützung an. Auch viele individuelle Gespräche werden geführt, vor allem der polyglotte Tsikha hat einen sehr guten Draht zu den Flüchtlingen, spricht nicht nur ihre Sprache, sondern kennt auch ihre Mentalität. »Ich habe zu jedem Kontakt und weiß immer, was derjenige gerade macht.«

Ein Engagement, das nicht selten über die normalen Arbeitszeiten hinaus geht. Als neulich zum Beispiel sein Handy klingelte, weil eine hochschwangere Frau in den Wehen lag und in dieser Ausnahmesituation einen Dolmetscher brauchte. Da zeigte die Uhr 23.30 Uhr. Aber Tsikha war zur Stelle und organisierte die Fahrt zum Krankenhaus. Aber auch wenn mal die Worte fehlen, wie es Ehrenamtliche wie das Pfarrehepaar Frank und Martina Buhlmann erleben, klappt die Kommunikation. »Ich hab auch schon mal ein Bild gemalt, um mich zu verständigen«, erzählt die Pfarrerin.

 

Ein Stück Normalität eingekehrt

Geübt wird in Schnathorst Am Bahnhof 4 natürlich auch, wie ein Lebenslauf erstellt wird. Tsikha ist sehr froh, dass schon so viele Asylsuchende, etwa 30 Prozent (Stand: November), einer Arbeit nachgehen. Job, aber auch Schule und Verein seien drei Säulen der Integration. Insbesondere die Sportvereine zeigten sich sehr offen. Der Stammtisch für Paten, der früher einmal im Monat ausgerichtet wurde, kommt mittlerweile nicht mehr so häufig zusammen. »Weil eben viele integriert sind«, so Tsikha. Ein Stück Normalität sei eingekehrt. Wie finde ich eine Arbeit und eine Wohnung, seien die wichtigsten Fragen.

Mit Fragezeichen versehen sei die mittel- und langfristige Unterbringung der Asylsuchenden in privaten statt in gemeindeeigenen Wohnungen und Übergangswohnheimen, sagt Verwaltungsmitarbeiter Peter Lücking. Auf dem freien Markt seien die Möglichkeiten im Dorf für das eigene Zuhause zudem eingeschränkt. In dörflichen Strukturen und einer weniger anonymen Gesellschaft lägen andererseits aber auch Chancen, sagt Martina Buhlmann. Oftmals hätten sich Nachbarn sogleich der Neuankömmlinge angenommen und geholfen. »Die dezentrale Unterbringung ist von Vorteil.«

Die Bilanz nach einem Jahr fällt positiv aus. »Es läuft wirklich«, sagt Frank Buhlmann. »Die Probleme, die es gab, waren sachlicher Natur und alles hat sich partnerschaftlich entwickelt.« Worum es geht? »Um Wertschätzung des Einzelnen und Begegnungen auf Augenhöhe.« Einen Masterplan für das zweite Jahr des Zentrums gibt es nicht. »In der Flüchtlingsarbeit gibt es immer wieder neue Herausforderungen. Und ein Integrationskonzept hatten wir erst in der Rückschau.«

Quelle:

https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Minden-Luebbecke/Huellhorst/364...