Wie Hüllhorster Flüchtlinge Weihnachten feiern

So wird Toleranz gelebt

Frank Buhlmann

Hüllhorst. Vor einem Jahr fand die große Weihnachtsfeier der Flüchtlingshilfe Hüllhorst zentral im Evang. Gemeindehaus in Oberbauerschaft statt. Ein Jahr später gibt es in den Evang. Gemeindehäusern in Hüllhorst und Oberbauerschaft jeweils ein Café International und in Schnathorst bietet die Evang. Kirchengemeinde einen Sprachkurs mit Spielgruppe an. So lag es auf der Hand, in diesem Jahr die Weihnachtsfeiern dezentral zu veranstalten. Martina Buhlmann, die die Feier in Oberbauerschaft mit organisiert hatte, äußerte sich über ihre Beweggründe: „Ein Großteil der Flüchtlinge ist nicht christlich. Sie leben aber in einem Land, das vom Christentum geprägt ist. Dazu gehören auch die jeweiligen Feiertage. Deshalb wollen wir ihnen nicht nur die Bedeutung von Advent und Weihnachten nahe bringen, sondern auch mit ihnen feiern.“

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Wie könnte das besser gelingen als durch Musik, miteinander zu essen und zu feiern. Damit war das Programm in Oberbauerschaft schon beschrieben. Zu Beginn begrüßte die Trommelgruppe der Evang. Grundschule Oberbauerschaft „Trobas“ unter der Leitung von Uwe Pacewitsch. Zuschauende und Zuhörende bekamen eine Gänsehaut, als die Schülerinnen und Schüler lautstark mit Trommeln und afrikanischen Gesängen in die Veranstaltung einstimmten. Eindrucksvoll und absolut konzentriert begeisterten sie rund 50 Gäste aus den Flüchtlingsunterkünften und Wohnungen sowie zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Uwe Pacewitsch forderte auch einige afrikanische und syrische Flüchtlinge auf, sich an den Trommeln selbst zu versuchen. Mit viel Talent für den Rhythmus konnten sie gut mithalten.

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Im großen Saal war ein Buffet aufgebaut mit vielen besonderen Speisen. Flüchtlinge hatten besondere Spezialitäten aus ihren Heimatländern mitgebracht, die durch deutsche Gerichte der Einheimischen ergänzt wurden. Beim gemeinsamen Essen kamen sich alle näher und miteinander ins Gespräch. Frank Buhlmann erzählte die Weihnachtsgeschichte mithilfe einiger Bilder und begründete hier die Einstellung der christlichen Kirche zu Flüchtlingen: „Kaum geboren, war Jesus schon ein Flüchtling und musste mit seiner Familie nach Ägypten fliehen, um nicht getötet zu werden." Deshalb sei es auch für uns selbstverständlich, allen Menschen zu helfen und sie aufzunehmen. Gerne waren die Flüchtlinge zur Feier gekommen und bedankten sich für die Offenheit der deutschen Bevölkerung.
Als der Nikolaus mit seinem Schlitten an die Tür klopfte, waren nicht nur die Kinder begeistert. Haman hatte in der Schule ein langes Gedicht auswendig gelernt und erntete dafür Applaus. Arabische Eltern unterscheiden sich nicht von deutschen Eltern, indem sie gerne ihre Kinder mit dem Nikolaus fotografieren. Kinder wie Erwachsene unter den Neubürgern erhielten eine Weihnachtstüte. Eine Woche zuvor packten viele ehrenamtliche Helfer kleine Weihnachtstüten für die drei Weihnachtsfeiern in den Ortsteilen - gefüllt mit Spenden von Privatleuten und vom NP-Markt Schnathorst. Amanda (5) rief begeistert: "Oh, Schokolade! Die mag ich!" Amanda besucht seit dem Sommer den Kindergarten und spricht mittlerweile akzentfrei Deutsch. Musikalisch begleitet wurde die Feier durch Shela aus Aserbaidschan am Klavier und dem Vorsitzenden des Presbyteriums Wolfgang Fischer mit der Flöte.
 "Ohne unsere guten Küchenfeen um Veronika Kleffmann würde das hier nicht so reibungslos ablaufen.", so Frank Buhlmann. Die jungen Männer aus dem Übergangswohnheim staunten über die Festlichkeit, die Begegnungen und den freundlichen Umgang miteinander.
Das Netzwerk Flüchtlingshilfe Hüllhorst brachte es auf den Punkt: "Diese Weihnachtsfeiern in den Ortsteilen zeigen, dass wir Toleranz leben können, ohne eigene Einstellungen aufgeben zu müssen. Diese Erfahrungen im Advent sollte auch sonst unser Zusammenleben prägen. Und toll, wenn alle ganz viel Spaß dabei haben."

Quelle: https://www.kirchenkreis-luebbecke.de/157660,1031,111427,-1.aspx